Haltung oder Verhalten? Halt und Verhältnisse! Coaching und Supervision bei Vielfalt.
- 16. Aug.
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Aktualisiert: 17. Aug.
“If you can't change the world, change yourself. And if you can't change yourself, then change your world.” (Matt Johnson - The The)
Von Führungskräften wird heutzutage recht viel verlangt. „Bei uns soll wertschätzend kommuniziert werden.“ Ja eh. Das wollen eigentlich alle. Warum passiert es dann nicht? „Alle sollen Verantwortung übernehmen.“ Was für ein schöner Gedanke. Warum tut es letztendlich niemand? „Bei uns werden alle gleich behandelt.“ Ja? Tatsächlich?
Das Problem bei der gängigen Formel von „Haltung versus Verhalten“ ist, dass sie zwei Ebenen gegenüber stellt, die überhaupt keine Gegensätze sind. In professionellen Coachings ist die Unterscheidung von Haltung versus Verhalten verbreitet. In der Führungskräfteentwicklung wird häufig zwischen einer inneren Ebene (Mindset, Haltung, Werte, Selbstverständnis) und einer äußeren Ebene (Verhalten, Kommunikation, Entscheidungen) unterschieden. Ist auch völlig in Ordnung. Hat aber ein bisschen was von entweder-oder.
Haltung präge nämlich das Verhalten. Verhalten sei die beobachtbare Erscheinungsform der Haltung. Beides entsteht nicht im luftleeren Raum. Und beides kann durch jene Verhältnisse ermöglicht, verhindert, belohnt oder sanktioniert werden, die aus mangelndem oder vorhandenem Halt entstehen.

Gestalttheoretisch betrachtet verweist das Modell des Führungs-Steuerkreises oben auf die felddynamische Dynamik. Der Haltung liegt Halt zugrunde. Die Verhältnisse sind der Prüfstein auf dem das Verhalten steht. Nur so gelangen wir zum sowohl-als-auch. Was bildet den Grund, auf dem sich die erwünschte Haltung entfalten kann?
Für die Führungsarbeit bei Vielfalt bekommt das zusätzlich noch besondere Bedeutung. Denn bei sämtlichen Phänomenen rund um den riesigen Themenkomplex von Diskriminierung bspw. greift die Frage „Warum verhält sich die Person so?“ oft zu kurz. Denn was das Verhalten eigentlich aufrecht hält, will sorgfältig betrachtet werden. Und wir sind schon mitten drin: Was HALT gibt ermöglicht bzw. stabilisiert die HALTUNG. Die manifestiert sich folglich im VERHALTEN. Das wiederum wirkt auf und verändert die VERHÄLTNISSE, und die - erraten - wiederum beeinflussen den HALT.
Spielen wir es gemeinsam durch. Die Führungskraft soll wertschätzend führen bei völlig unrealistischen Zielvorgaben, ausgeprägter Konkurrenz, beschränkter Zeit für Gespräche, einem Bonussystem, das „individuelle Durchsetzungskraft" belohnt, bei einer Unternehmenskultur des Schweigens. Da hilft das teuerste Führungskraft-Coaching auch nicht. Denn das System arbeitet gegen die gewünschte Haltung. Menschen sind in den jeweiligen Strukturen tätig. Befördern oder verhindern diese die Haltung und das Verhalten eigentlich?
Fazit: Erst aus echtem Halt entsteht Haltung - erst aus guten Verhältnissen entsteht geeignetes Verhalten. Das lässt sich gut gestalten.

