Wem die Vielfalt zugemutet wird
- vor 5 Tagen
- 2 Min. Lesezeit
In den vergangenen Jahren habe ich Führungskräfte im Rahmen von Einzelcoachings begleitet. Manche kamen freiwillig. Andere gänzlich unfreiwillig. Nicht selten waren es Anlässe wie Grenzüberschreitungen, sexuelle Belästigungen, völlig unpassende Kommunikationen oder Konflikte im Team.
Die wenigsten Führungskräfte stehen morgens auf und beschließen, Mitarbeitende zu verletzen. Viel häufiger begegneten mir zutiefst verunsicherte Männer, die Angst hatten, die Kränkungen erfahren hatten, überfordert waren oder schlichtweg orientierungslos waren. Die Vielfalt verändert Organisationen. Damit verändern sich auch auch Rollenbilder, Machtverhältnisse, Sprache und Erwartungen. Was früher selbstverständlich war, ist heute zurecht erklärungsbedürftig. Das fordert Menschen offensichtlich nach wie vor heraus – so auch Führungskräfte. Nichts rechtfertigt Grenzverletzungen.
Coaching & Supervision bedeutet für mich nicht, Schuldige zur Anklage zu zitieren. Ich ermögliche vielmehr Räume, in denen Menschen ihre eigenen Wahrnehmungen, Annahmen und Handlungsmöglichkeiten spürbar reflektieren sollen.
Nicht jede Grenzverletzung entsteht aus böser Absicht. Jede Grenzverletzung verlangt aber die klare Übernahme von Verantwortung. Zwischen Rechtfertigung und Verurteilung ging ich stets dritten Weg. Zu versuchen zu verstehen, ohne zu entschuldigen.
Ich habe in den vergangenen Jahren erlebt, wie Führungskräfte nach schwierigen Konflikten wieder handlungsfähig wurden, weil sie ihre eigenen Muster erkannten. Nicht durch den moralischen Zeigefinger, sondern durch Reflexion. Die ist mitunter auch kein Spaziergang. Coaching ist dennoch ist kein Tribunal.
Dieselben Spielregeln finden wir in der Team-Supervision. Sie unterstützt Teams dabei, ihre Zusammenarbeit, Kommunikation und Rollen im beruflichen Kontext strukturiert zu reflektieren und weiterzuentwickeln. Als Instrument der Organisationsentwicklung stärkt sie die Zusammenarbeit, fördert die Qualität der gemeinsamen Arbeit und unterstützt die konstruktive Bearbeitung von Herausforderungen im Arbeitsalltag. Gerade in vielfältig zusammengesetzten Teams schafft regelmäßige Supervision einen Rahmen um unterschiedliche Perspektiven, Erfahrungen und Positionen wahrzunehmen, produktiv zu nutzen und gemeinsam tragfähige Lösungen zu entwickeln. Um eine gemeinsame Kultur zu bilden. Konflikte entstehen aufgrund von Unterschiedlichkeit!
Auch in Supervision & Coaching arbeite ich gestaltorientiert. Das bedeutet, dass wir davon ausgehen können, dass wir Situationen nicht im Sinne einzelner voneinander losgelöster Probleme bearbeiten können, sondern immer das Ganze – die Beziehungen, Muster und Zusammenhänge - betrachten müssen.


